Dienstag, 31. Januar 2012

Tagesablauf vor ca. 6 Monaten

ARGH, ES ist wieder erwacht und hat bemerkt, dass ich mich erdreistete wegzugehen. Daher gibt es heute gleich noch einen Text, der vor ca. 6 Monaten in tiefster Verzweiflung entstand :-)
(Bevor hier jemand ganz falsche Schlüsse zieht, ich hab dann immer Lotte am Arm und Tippe mit dem iPad, sonst würde ich in den vielen Stunden im dunklen Schlafzimmer wahnsinnig)
So, hier aber der Text:

Tage wie dieser gehören verboten.
08:15 Uhr Mich weckt Geschrei aus dem Kinderzimmer. Max ist erwacht und möchte in den Tag starten. Ich nicht, ich fühle mich kein bisschen ausgeruht, im Gegenteil, ich fühle mich als ob mich Panzer überrollt hätten. Müde schlurfe ich zu Max und wuchte ihn aus seinem Bettchen. Ganz dreist versuche ich ihn in meinem Bett nochmal zum schlafen zu bringen.
08:25 Uhr ich muss doch noch einmal kurz eingenickt sein, denn ich schrecke hoch als mir etwas nasses über das Gesicht läuft. Max hat rausgefunden wie er Wasserflaschen öffnen kann und mir einen halben Liter Mineralwasser übergeschüttet. Für ihn ein grosser Schritt zu mehr Spaß, für mich ein Schritt weiter in den Wahnsinn.
08:30 Uhr Nun strampelt auch Lotte fröhlich vor sich hin und wartet auf den Start in den Tag. Ich wuchte mich also hoch und versuche meine Knochen zu sortieren und ziehe mir schnell die Klamotten an.
08:35 Uhr Erst einmal Max wickeln, die Windel war mal wieder nicht ganz dicht. Der Schlafanzug ist also ein weiterer Fall für die Wäsche. Bald kommen wir ins guinnesbuch der Rekorde mit dem höchstem dreckigem Wäscheberg der Welt. Nachdem Max wieder trockengelegt ist, ist Lotte fällig. Wie immer muss Max ganz genau zugucken, allerdings würgt er dabei wie verrückt so dass er sich gleich wieder schaudernd abwendet und arbeitseifrig die Socken aus der Schublade räumt.
08:45 Uhr Ich renne zwischen den Socken, der Schublade und Max, der versucht alleine die Tür zum Schlafzimmer zu öffnen hin und her, bis wieder alle Socken eingeräumt sind. Danach schnappe ich mir schnell Lotte und grapsche nach der Hand von Max damit er sich nicht die Treppe runterstürzt.
08:50 Uhr Wir kommen lautstark im Erdgeschoss an. Lotte brüllt weil ich sie festgeklammert mit einem Arm halte was ihr überhaupt nicht gefällt. Max brüllt weil er lieber auf der Treppe gespielt hätte. Ich brülle, weil es noch so lange dauert bis alle Abends wieder friedlich schlafen.
08:55 Uhr Frühstück. Immerhin habe ich es geschafft mir einen Kaffee zu machen, bevor Max lautstark nach "Mimi" (Milch) schreit. Lotte brüllt noch immer, anscheinend hat sie Hunger, also stille ich sie wobei ich nebenbei max und mir ein Brot streiche, was gar nicht so einfach ist, da man ja nur eine Hand frei hat. Nachdem Max sein Brot bekommen hat versucht er sofort heimlich die Hunde damit zu füttern.
09:10 Uhr Es klingelt. Na toll, die gute Nachricht ist, dass wir heute schon mal angezogen sind, die schlechte ist, dass wir weder gekämmte Haare, noch gewaschene Gesichter oder gar geputzte Zähne haben. Egal, als Postbote wird er schon schlimmere Gestallten gesehen haben.
09:15 Uhr Ich nehme das Päckchen am Gartentor entgegen. Lotte verzieht genervt das Gesicht, denn der Wind pfeift ihr ganz schön um das kahle Köpfchen. Während ich noch kurz mit dem Postboten plaudere höre ich hinter mir ein lautes "Platsch". Max liegt brüllend im Gartenteich. Ich ziehe ihn heraus und schleppe beide Kinder wieder ins sichere Haus.
09:25 Uhr Max ist wieder trocken, der Wäscheberg ist noch höher geworden, also begeben wir uns in die Abstellkammer wo die Waschmaschine und Trockner stehen. Lotte lege ich kurzerhand auf der Dreckwäsche ab und fülle die Waschmaschine mit einer neuen Ladung. Irgendwie ist es ruhig, zu ruhig und ich gucke mich um. Max ist verschwunden.
09:26 Uhr Ich renne mit Lotte am Arm brüllend durchs Haus. Kein Max zu Sehen oder hören.
09:30 Uhr Kurzes Verdrängen der Panik und ruhiges Nachdenken. Stimmt, die Tür war zu. Sollte ich keinen Zauberer oder ähnliches grossziehen muss er noch in der Abstellkammer sein. Und wirklich, ich höre leises Kichern aus dem Trockner. Halb irre vor Angst reisse ich die Türe auf. Da sitzt ein Max quietschvergnügt in der Trommel des Trockners. Zum Glück hatte ich ihn nicht angestellt.
09:35 Uhr Er will gar nicht mehr raus. Gewaltsam rausziehen kann ich ihn allerdings nicht, da er dann Arme und Beine dagegenstemmt. Ich setze mich neben Lotte auf die Dreckwäsche und warte.
10:05 Uhr Endlich kommt er freiwillig aus dem Gerät. Schnell die Tür hinter ihm zugeknallt und ab in die Küche, in der es aussieht als ob ein Tornado durchgezischt wäre. Lotte lege ich solange in die Wippe auf dem Esstisch. Sie schläft völlig erledigt ein, ich sollte mir das merken und sie öfter mal vor der Waschmaschine parken.
10:10 Uhr Langsam kann ich die Farbe der Arbeitsplatte wieder erahnen.
10:15 Uhr Juhuu, es ist zwar noch kein "schöner Wohnen" aber dennoch wieder erträglich aufgeräumt hier. Weiter geht es im Wohnzimmer.
10:25 Uhr Wieso ist es schon wieder so still in der Küche. Ich hetze rüber und weiss im ersten Moment nicht, ob ich lachen oder heulen soll. Max hat die Spülmaschine geöffnet und sich auf den Deckel gestellt, so kommt er an die Kaffeemaschine ran die direkt darüber steht. Eifrig verteilt er überall wo er hinkommt den Trester.
10:35 Uhr Die Küche ist wieder sauber, im Gegensatz zu Max, der noch immer ziemlich dreckig aussieht, ich entschliesse mich, ihn einfach zu lassen, sonst reicht der Wäscheberg so hoch, dass ich mich mal bei der Luftverkehrsbehörde erkundigen müsste ob ich ihn irgendwie beleuchten muss, nicht dass ein Flugzeug reinknallt.
10:40 Uhr Mir fällt ein, dass wir ja noch gar nicht gewaschen etc. sind und befördere beide Kinder wieder in den ersten Stock. Während ich mir die Haare kämme schleppt Max alles aus dem Badezimmerschrank zur Badewanne und schmeißt es laut scheppernd in die selbige.
10:45 Uhr Ich renne mit der Zahnbürste Max hinterher.
10:50 Uhr Ich habe ihn erwischt als er unaufmerksam im begehbaren Kleiderschrank in die Sackgasse geriet.
10:53 Uhr Ich versuch es ganz pädagogisch und erkläre ihm den Sinn vom Zähneputzen.
11:05 Uhr Ich Hebel ihm den Mund auf und schrubbe unter lautem Protest die Zähnchen.
11:15 Uhr Wir haben uns wieder vertragen.
11:20 Uhr Da war doch noch was...
11:22 Uhr oh weiha, ich habe Lotte im Bad vergessen. Dort angekommen sehe ich sie friedlich schlafend auf dem Badevorleger. Glaube manchmal ist sie ganz froh vergessen zu werden, dann hat sie wenigstens mal Ruhe.
11:25 Uhr Beide Kinder gewickelt.
11:40 Uhr Beide Kinder wieder runtergeschleppt. Am Wohnzimmerboden begrüßt uns eine zerfetzte Windel. Anscheinend hat einer der Hunde Geschmack an Lottes gebrauchten Pampers gefunden. Ich darf gar nicht genauer darüber nachdenken und frage mich nur wie es ein Hund schafft den Windeleimer zu knacken.
11:45 Uhr Nachdem die Windel beseitigt ist, verlangt Lotte lautstark nach neuer Nahrung. Neben dem Stillen blättere ich mit Max ein paar Bilderbücher durch.
12:00 Uhr Lotte ist fertig, sie hat die überflüssige Milch auf mein schwarzes t-Shirt gespuckt. Ich überlege ob ich eine Bergbahn am Wäscheberg bauen soll.
12:05 Uhr Max wird knatschig. Ich schleppe beide Kinder wieder hoch und bringe ihn ins Bett. Kaum ist er eingeschlafen klingelt mein Handy. Es ist Jürgen der mir erzählt wieviel Stress er hat.
12:10 Uhr mit letzter Kraft schleppe ich Lotte und mich zum Sofa, verscheuche die Hunde und schiebe gefühlte 50 kg Bilderbücher zur Seite. Lege mich neben Lotte und schliese die Augen.
12:20 Uhr Kaum bin ich eingeschlafen meckert Lotte. Um Ruhe zu haben stille ich sie wieder und schlafe dabei ein.
13:05 Uhr Das knatternde Babyphone weckt mich. Ein ziemlich unangenehmer Schmerz sagt mir, dass Lotte mich während meines Nickerchens als Schnuller missbraucht hat.
13:10 Uhr Max ist aufgewacht und möchte keine Sekunde länger im Bett bleiben.
13:20 Uhr Alle Mann gewickelt. Max ist bereit zum Mittagessen. Ich schleppe beide Kinder wieder die Treppe runter und Frage mich dabei ob ein Treppenlift wirklich so teuer ist und falls die Dinger unerschwinglich sind, könnten wir doch auch so Fallschächte für dreckige Wäsche einbauen. Wenn diese Schächte breit genug wären könnte ich doch auch die Kinder...
13:25 Uhr Wir sitzen am Mittagstisch. Max will alleine essen. Er stellt einen neuen Rekord auf und schafft, dass jeder dritten Bissen im Mund landet. Die Hunde umkreisen derweil den Hochstuhl wie Geier ein Stück Aas umkreisen.
13:40 Uhr Max ist satt. Eigentlich sollte ich ihn für die Mahlzeiten einen Taucheranzug anziehen. Der Kartoffelbrei klebt an ihm und an allem in ca. 2 qm Entfernung.
13:45 Uhr Ich schnappe mir mal wieder beide Kinder und verfrachte sie zur Säuberung in den ersten Stock. Dabei höre ich noch wie sich beide Hunde bei der Beseitigung der Essensschlacht in die Haare bekommen. Ich hoffe auf ausschließlich kleinere Verwundungen und Rede mir ein, dass sie das schon untereinander lösen werden.
13:55 Uhr Max ist umgezogen und ich wasche ihm noch schnell die Ohren denn selbst dort har er den Kartoffelbrei. Lotte pennt mal wieder. Der perfekte Zeitpunkt einkaufen zu gehen.
14:00 Uhr Beide Kinder wieder runtergeschleppt. Überlege mir ernsthaft warum Rolltreppen in Privathaushalten nicht vorkommen. Die Hunde haben sich wieder beruhigt, von der Kartoffelbreischlacht ist nichts mehr zu sehen. Es ist nicht hygienisch aber praktisch.
14:05 Uhr Ich packe Lotte in den MaxiCosi. Dabei wacht sie auf und ist alles andere als erfreut was sie mir lautstark mitteilt. Max ganz der große Beschützer versucht seif wieder rauszuholen, was in noch mehr Geschrei endet. Ich schlüpfe in die Schuhe. Packe Max mit geübtem Wrestlinggriff und Streife ihm seine Schuhe über.
14:10 Uhr Wir haben die Vortreppe und die verlockenden Farbeimer darauf passiert, sind an dem von Jürgen in Vorahnung kommender Arbeiten im Garten verteilten Handwerksgeräten vorbeigekommen und haben selbst den Gartenteich links liegen lassen. Lotte ist wieder eingeschlafen und nun stehen wir tatsächlich vor dem Auto und könnten eigentlich losfahren. Wenn ich auch meinen Schlüssel dabei hätte wäre dies kein Problem gewesen, allerdings befindet sich mein Schlüssel noch im Haus.
14:15 Uhr Ich lasse Lotte kurzerhand Vorgarten stehen, nehme Max auf dem Arm und laufe um das Haus rum um über den Keller wieder reinzukommen. Im Keller steht aber Jürgens PC auf dem Max immer mit dem Flugsimulator fliegen darf. Er heult und ist ziemlich gefrustet als ihm klarwird, dass wir nun nicht spielen werden. Schnell schnappe ich mir die Schlüssel und Eile wieder raus.
14:20 Uhr Während ich Lotte im Auto festschnalle drückt Max auf dem Knopf für die automatische Türschliessung und mit einem warnendem "Pieppieppiiiiiiieeeeep" knallt mir die Tür ins Kreuz. Soviel zum Thema Kindersicher. Max bemerkt ganz trocken "Mama bum".
14:25 Uhr Endlich sind beide fest angeschnallt und sogar so ruhig, dass ich das Radio hören kann. Max hört es auch und wiegt sich im Takt zu Musik und klatscht. Ich geniesse den Moment und überlege mir, dass wir uns doch öfter mal einfach so ins Auto setzen könnten.
14:35 Uhr Am Supermarkt lasse ich beide noch im Auto um erst einmal einen Einkaufswagen zu besorgen. Danach lade ich Lotte aus und stelle sie im MaxiCosi in den Wagen. Max kommt in den vorgesehenen Kindersitz, womit ich noch genau 12 qcm für die Einkäufe habe.
14:40 Uhr Lautstark zeigt Max auf alle anwesenden Männer nacheinander und sagt ganz deutlich "PAPA". Ich spüre wie ich rot. Werde und erzähle Max ungefähr 70 Mal in größtmöglicher Lautstärke das sein Papa im Büro ist.
14:43 Uhr Max möchte sofort ein Stück Käse.
14:44 Uhr Er meint es ernst
14:45 Uhr Ich gebe auf und geb ihm etwas
14:55 Uhr Unser Einkaufswagen sieht aus als ob wir auswandern würden. Auf dem MaxiCosi, neben Lotte, im unteren Fach des Wagens und in meinem Arm stapeln sich die Konsumgüter. Die anderen Leute gucken mich mitleidig an. Ich kann mir nun ein wenig vorstellen wie sich Leute mit mehr Kindern fühlen.
15:00 Uhr Max möchte an der Kasse selbst bezahlen und reicht wie ein Profi ganz großzügig meine EC-Karte rüber.
15:10 Uhr Alle sind wieder verstaut, die Einkäufe sind eingeladen. Mein Handy klingelt, es ist wieder Jürgen, der mir erzählt wieviel Stress er hat.
15:20 Uhr wieder zuhause. Ich schleppe die Einkäufe und Lotte ins Haus. Max will die Gelegenheit zu einem Ausflug zu Nachbars Hühnerstall nutzen. Ich stelle Lotte und den Einkaufskorb ab und erwische ihn noch kurz vor der Strasse. Leider stolpere ich dabei über den Korb und sämtliche Einkäufe verteilen sich in der Einfahrt
15:25 Uhr Nachdem ich mit freundlicher Unterstützung von Max alles wieder eingesammelt habe, meldet Lotte wieder Kohldampf an. Während des Stillens lesen Max und ich wieder. Beobachtet werden wir von vier vorwurfsvollen Hundeaugen, die nun auch endlich ein wenig Spass haben möchten.
15:40 Uhr ich verfrachte Lotte in den Kinderwagen, hänge die Hunde an die Leine und schnappe Max. Wir brechen auf zum Spaziergang.
15:45 Uhr Wir treffen ein paar Kinder aus dem Dorf. Max ist überall beliebt und so haben wir noch drei Begleiter vom Kindergartenalter bis zur zweiten Klasse.
15:50 Uhr Die beiden Jungs streiten sich während das Mädchen mir das Ohr müde quatscht. Komme langsam ins Schwitzen, schließlich muss ich den Kinderwagen schieben und dazu noch auf vier Kinder und zwei Hunde aufpassen. Entnervt lasse ich die Hunde von der Leine als wir den Feldweg erreichen.
16:00 Uhr Während die Jungs noch immer zoffen und das Mädel Max hinterherrennt bemerkt einer der Hunde ein Reh. Noch ehe ich die Situation voll erfasse startet er durch. Die Kinder rufen ihm hinterher und ich erkläre ihnen, dass es nun nichts mehr bringt weil er schon im Hormonrausch ist.
16:05 Uhr Die Kinder möchten nun wissen was Hormone sind. Ich merke nach 10 Minuten, dass ich das nicht erklären kann und Schreie ebenfalls nach meinem Hund. Max erklärt derweil dem Mädchen ohne grosse Worte das Brennnesseln "aua" machen. Komme mir ziemlich doof vor, dass er mit 20 Monaten sein Wissen schon besser rüberbringen kann als ich.
16:20 Uhr Beide Hunde sind kaputt aber glücklich wieder da. Ich hänge beide wieder an, denn noch einen Jagdausflug ertragen meine Nerven nicht mehr.
16:25 Uhr Die beiden Jungs zoffen sich schon wieder und unterstellen sich dabei gegenseitig einen Hormonrausch. Naja sie können ja zuhause im Lexikon nachschlagen oder googeln um ihr neues Wissen zu vertiefen.
16:35 Uhr Wir erreichen die Strasse. Ortsfremde Autofahrer zeigen mit dem Finger auf uns. Da sieht man mal wieder welch ein Exot man in Deutschland mit mehreren Kindern ist.
16:50 Uhr Nachdem ich alle fremden Kinder wieder abgeliefert habe gehen wir nach Hause.
16:55 Uhr Ich lasse die Badewanne ein, eigentlich bräuchte ich für Max den Hochdruckreiniger, aber wenn ich ihn lange genug einweichen lasse müsste das Gröbste schon runtergehen.
17:00 Uhr Max versucht alles was er finden kann ins Badewasser zu werfen. Ich ziehe ihn schonmal aus, damit er glaubt es geht gleich los.
17:05 Uhr Lotte quengelt, ich bequatsch sie ein wenig. Max steht auf einmal stocksteif da. Das Geräusch von laufendem Wasser und einer pampersbefreiten Zone haben zu einer Pfütze geführt. Der Badevorleger wandert auch zur Schmutzwäsche.
17:10 Uhr Ich stecke Max in die Wanne und betütel Lotte.
17:20 Uhr Max heult beim Haarewaschen, dass ich befürchte die Kacheln könnten runterfliegen
17:25 Uhr Die Heulboje ist wieder getrocknet und angezogen, wieder schleppe ich beide nach unten wo Lotte auf ihre Wippe am Esstisch kommt und Max auf die Arbeitsplatte um beim Kochen zu helfen
17:30 Uhr Jürgen kommt nach Hause und erzählt von seinem stressigem Tag. Kommentarlos serviere ich den beiden Männern des Hauses ihr Essen

Hausfrau

Da das Biest immer noch nicht schläft und von mir verlangt es so lange auf dem Arm zu halten bis es die Tiefschlafphase erreicht gibt es hier mal einen etwas längeren Text:


Hausarbeiten

Wenn mich einer noch vor zwei Jahren nach meiner Meinung über den Beruf der Hausfrau gefragt hätte, hätte er Stichworte wie: Langweilig, stupide, verblödet, Kittelschürze, Putzteufel und ähnliches als Antwort erhalten. Nun übe ich selbst diese Beschäftigung aus. So richtig klar wird einem dies allerdings erst wenn man danach gefragt wird. Bei mir fiel der Groschen erst als ich endlich mein Konto zur örtlichen Bank umziehen wollte und ich dort meinen Beruf angeben musste. Ganz nach der Gewohnheit gab ich meinen früheren Beruf an, worauf der junge Bankberater (darf der Bubi überhaupt schon Autofahren?) auf Lotte und Max blickte und verwundert nachfragte ob ich dies denn im Moment noch tun würde. Als ich dies verneinte trug dieses Kleinkind im Anzug prompt "Hausfrau" ein. Na prima, ein Sparkassenschnössel drückt mir also in seinem Bankcomputer das Stigmata auf. Ade Bürokleidung, willkommen Kittelschürze. Leicht deprimiert zog ich also von dannen, zurück in meine Küche, zurück zum Bügeleisen und meinem Freund dem Staubwedel.
Aber warum zieht mich diese schlichte Feststellung von Tatsachen eigentlich so runter? Ist es wirklich so schlimm? Bevor mir es klar wurde, ging es mir doch auch ganz gut. Je mehr ich darüber nachdachte umso mehr wird mir eigentlich klar welch viele anspruchsvolle Jobs ich eigentlich gleichzeitig mache.
Da wäre zum Beispiel die schlichte Arbeit der Sockensortierung. Wer kennt nicht das Phänomen der einzelnen Socken die auf ihrem langen Weg von der Schmutzwäsche, zu Waschmaschine und Trockner ihren Partner verloren haben. Bei uns werden diese Singles in einer Schublade aufbewahrt. Wenn ich dann mal Muse habe wird ein "Ball der einsamen Herzen" veranstaltet wo ich wie in einer Partnervermittlung den passenden Deckel zum Topf suche. Max liebt diese Aktionen. Während ich ordentlich die Socken aufreihe greift er beherzt zu uns schleudert alle wieder durcheinander, ich habe also genau 1,7 Sekunden Zeit Paare zu bilden. Stressmässig kommt dies einem Börsenmakler gleich, der ja auch sekundengenau kaufen oder verkaufen muss.

Alleine auch das Verwalten der Süßigkeiten kann man mit klassischem Ressourcenmanagement vergleichen. Wieviel kann man wann von was an wen verteilen?

Überhaupt die Erziehung der Kinder beinhaltet die gleichen Aufgaben, die auch ein Personalchef nicht anders erledigen muss. Wann sollte man loben, wann streng werden, wo setze ich die Grenzen, wo lasse ich die Freiräume?

Wenn Max mal wieder diese kleinen Knubbel, die Bretter im Regal halten rausfriemelt, dann werde ich zwischendurch schnell zum Möbelbauer.

Verstellt er mit der Fernbedienung wieder alles was nur geht, dann werde ich zum Radio- und Fernsehtechniker.

Bekommt Max beim Einkaufen einen Trotzanfall, schleiche ich mich unauffällig davon wie ein Westspion in der früheren DDR.

Rennt Max zum Teich, während Lotte brüllt, werde ich mal schnell zum Supermann und fliege möglichst schnell zur Rettung zwischen beiden hin- und her.

Erwische ich ihn nicht rechtzeitig werde ich zur Darstellerin von Baywatch (wenn auch leider nicht so gutaussehend) und stürze mich in die Fluten.

Überhaupt die Terminplanung von zwei Kindern und uns beiden Erwachsenen ist ein Ganztagsjob für eine Assistentin der Geschäftsführung.

Gibt es mal wieder aufgeschlagene Knie, Schnupfen oder Ähnliches, dann werde ich zur Krankenschwester.

Erfindet Max mal wieder selbst Wörter, die er hartnäckig verwendet, aber natürlich nicht von allen verstanden werden, dann werde ich zum Dolmetscher.

Hat Jürgen Probleme mit den Mitarbeitern werde ich zum vermittelnden Diplomaten.

Gibt es Ärger am Spielplatz setze ich mal flott mein Blauhelmchen auf und beseitige die gröbsten Schäden.

Meckern die Nachbarn, weil die Hunde mal gebellt haben, werde ich zum Aussenminister.

Telefonistin bin ich eh die ganze Zeit.

Muss ich kochen und Max will helfen werde ich zu Laafer und Lichter, die versuchen die kochenden Gäste (Max) und die Zuschauer (Lotte) zu unterhalten und gleichzeitig was gesundes, schmackhaftes zuzubereiten.

Auch Animateure könnten noch einiges von mir lernen.

Sind wir mal wieder zu spät dran, dann werde ich zum Rennfahrer.

Gehen wir alle spazieren werde ich zur Krake mit ganz vielen Armen um Max, Lotte, die zwei Hunde und den Kinderwagen unter Kontrolle zu haben.

Nein, wenn ich genau darüber nachdenke bleibt von meinen Vorurteilen nichts mehr übrig. Einen so abwechslungsreichen und interessanten Job hatte ich vorher noch nie und ich bin mir sicher einen solchen werde ich bei einer noch so engagierten Agentur für Arbeit nicht mehr finden.








Nur ein paar küchenbilder

Der beste Freund des Menschen wenn dieser was zu essen hat


Ach ja, Max füttert da gerade Oliven, die liebt er wie andere Kinder Smarties. ...und nein, wir haben keinen griechischen Postboten!

Lotte findet das sehr interessant, nagt aber vorerst nur an ihrem Spielzeug.









Ein Junge träumt mit seinen Oliven. Welch "Stillleben!"