Dienstag, 31. Januar 2012

Hausfrau

Da das Biest immer noch nicht schläft und von mir verlangt es so lange auf dem Arm zu halten bis es die Tiefschlafphase erreicht gibt es hier mal einen etwas längeren Text:


Hausarbeiten

Wenn mich einer noch vor zwei Jahren nach meiner Meinung über den Beruf der Hausfrau gefragt hätte, hätte er Stichworte wie: Langweilig, stupide, verblödet, Kittelschürze, Putzteufel und ähnliches als Antwort erhalten. Nun übe ich selbst diese Beschäftigung aus. So richtig klar wird einem dies allerdings erst wenn man danach gefragt wird. Bei mir fiel der Groschen erst als ich endlich mein Konto zur örtlichen Bank umziehen wollte und ich dort meinen Beruf angeben musste. Ganz nach der Gewohnheit gab ich meinen früheren Beruf an, worauf der junge Bankberater (darf der Bubi überhaupt schon Autofahren?) auf Lotte und Max blickte und verwundert nachfragte ob ich dies denn im Moment noch tun würde. Als ich dies verneinte trug dieses Kleinkind im Anzug prompt "Hausfrau" ein. Na prima, ein Sparkassenschnössel drückt mir also in seinem Bankcomputer das Stigmata auf. Ade Bürokleidung, willkommen Kittelschürze. Leicht deprimiert zog ich also von dannen, zurück in meine Küche, zurück zum Bügeleisen und meinem Freund dem Staubwedel.
Aber warum zieht mich diese schlichte Feststellung von Tatsachen eigentlich so runter? Ist es wirklich so schlimm? Bevor mir es klar wurde, ging es mir doch auch ganz gut. Je mehr ich darüber nachdachte umso mehr wird mir eigentlich klar welch viele anspruchsvolle Jobs ich eigentlich gleichzeitig mache.
Da wäre zum Beispiel die schlichte Arbeit der Sockensortierung. Wer kennt nicht das Phänomen der einzelnen Socken die auf ihrem langen Weg von der Schmutzwäsche, zu Waschmaschine und Trockner ihren Partner verloren haben. Bei uns werden diese Singles in einer Schublade aufbewahrt. Wenn ich dann mal Muse habe wird ein "Ball der einsamen Herzen" veranstaltet wo ich wie in einer Partnervermittlung den passenden Deckel zum Topf suche. Max liebt diese Aktionen. Während ich ordentlich die Socken aufreihe greift er beherzt zu uns schleudert alle wieder durcheinander, ich habe also genau 1,7 Sekunden Zeit Paare zu bilden. Stressmässig kommt dies einem Börsenmakler gleich, der ja auch sekundengenau kaufen oder verkaufen muss.

Alleine auch das Verwalten der Süßigkeiten kann man mit klassischem Ressourcenmanagement vergleichen. Wieviel kann man wann von was an wen verteilen?

Überhaupt die Erziehung der Kinder beinhaltet die gleichen Aufgaben, die auch ein Personalchef nicht anders erledigen muss. Wann sollte man loben, wann streng werden, wo setze ich die Grenzen, wo lasse ich die Freiräume?

Wenn Max mal wieder diese kleinen Knubbel, die Bretter im Regal halten rausfriemelt, dann werde ich zwischendurch schnell zum Möbelbauer.

Verstellt er mit der Fernbedienung wieder alles was nur geht, dann werde ich zum Radio- und Fernsehtechniker.

Bekommt Max beim Einkaufen einen Trotzanfall, schleiche ich mich unauffällig davon wie ein Westspion in der früheren DDR.

Rennt Max zum Teich, während Lotte brüllt, werde ich mal schnell zum Supermann und fliege möglichst schnell zur Rettung zwischen beiden hin- und her.

Erwische ich ihn nicht rechtzeitig werde ich zur Darstellerin von Baywatch (wenn auch leider nicht so gutaussehend) und stürze mich in die Fluten.

Überhaupt die Terminplanung von zwei Kindern und uns beiden Erwachsenen ist ein Ganztagsjob für eine Assistentin der Geschäftsführung.

Gibt es mal wieder aufgeschlagene Knie, Schnupfen oder Ähnliches, dann werde ich zur Krankenschwester.

Erfindet Max mal wieder selbst Wörter, die er hartnäckig verwendet, aber natürlich nicht von allen verstanden werden, dann werde ich zum Dolmetscher.

Hat Jürgen Probleme mit den Mitarbeitern werde ich zum vermittelnden Diplomaten.

Gibt es Ärger am Spielplatz setze ich mal flott mein Blauhelmchen auf und beseitige die gröbsten Schäden.

Meckern die Nachbarn, weil die Hunde mal gebellt haben, werde ich zum Aussenminister.

Telefonistin bin ich eh die ganze Zeit.

Muss ich kochen und Max will helfen werde ich zu Laafer und Lichter, die versuchen die kochenden Gäste (Max) und die Zuschauer (Lotte) zu unterhalten und gleichzeitig was gesundes, schmackhaftes zuzubereiten.

Auch Animateure könnten noch einiges von mir lernen.

Sind wir mal wieder zu spät dran, dann werde ich zum Rennfahrer.

Gehen wir alle spazieren werde ich zur Krake mit ganz vielen Armen um Max, Lotte, die zwei Hunde und den Kinderwagen unter Kontrolle zu haben.

Nein, wenn ich genau darüber nachdenke bleibt von meinen Vorurteilen nichts mehr übrig. Einen so abwechslungsreichen und interessanten Job hatte ich vorher noch nie und ich bin mir sicher einen solchen werde ich bei einer noch so engagierten Agentur für Arbeit nicht mehr finden.








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