Montag, 6. Februar 2012

Babyhotel

Ihr habt Kinder? Ihr wollt Euch mal so richtig erholen? Dann hab ich einen Super Tip!: geht auf keinen Fall in ein "Babyhotel"!

Bevor Lotte auf die Welt kam wollten wir nochmal raus aus dem Alltag. Max war etwas über ein Jahr alt, also dachte ich mir so ein Babyhotel wäre eine feine Sache.
Da sieht man mal wieder was Schwangerschaftshormone mit einem gesunden Menschen anrichten können. Ich habe bei der Buchung nämlich eine Klitzekleinigkeit übersehen: Natürlich war in diesem Hotel Max nicht das einzige Kind und vor allem wir nicht die einzigen Eltern!

Aber von vorne. Wir kamen nach einer entspannten zweistündigen Fahrt in den Bergen an und stiefelten frohgelaunt zur Rezeption. Dort stellte ein dürres Männchen alle Fragen an Max. Ich sag mal so, wenn mein einjähriges Kind alleine im Hotel einchecken könnte, vielleicht auch noch den amtlichen Meldezettel ausfüllen würde, dann wäre ich beim Fernsehen und nicht in einem Babyhotel!

Im Zimmer fanden wir das gesamte Penaten-Pröbchen-Sortiment, sowie eine Speisekarte für Babys. Hm lecker Alete und Hipp, hier dinieren also die Eltern mit frischer Kost und die Kurzen bekommen Fertigfutter. Alles klar, Gläschen könnte ich auch in jedes stinknormale Hotel mitnehmen. Dann würde ich auch nicht das vierfache (!) des normalen Preises dafür zahlen. Schön fanden wir auch, dass das Restaurant erst um 19:30 Uhr seine Pforten öffnete. Wenn Max nicht allerspätesten 18:30 Uhr was zu Essen bekam wurde er in diesem Alter unausstehlich.

Beim Hotelrundgang kamen wir dann in den Almwastl-Kinder-Club. Schon alleine der Name löste bei mir spontane Heiterkeit aus. Während drei Jugendliche, die sicher ihre Sozialstunden dort ableisteten, hochmotiviert ihre Fanta schlürften, hatten sich gerade zwei etwa fünfjährige dermaßen in die Wolle bekommen, dass Fäuste flogen. Der Geräuschpegel erinnerte an Kampfjets beim Start. Spontan bekam ich Migräne.

Überhaupt war normales laufen im Hotel so gut wie unmöglich. Wenn ihr schon mal Conter Strike (dieses Spiel am Pc) gespielt habt, dann könnt ihr euch vorstellen wie man dort die Gänge entlang läuft. Immer sollte man damit rechnen, dass sich hinter der nächsten Ecke der Feind befindet und euch umrennt.

Wichtig sind auch Ohrstöpsel. Ich weiß man darf die Geräusche von Kinder nicht mehr als Lärm bezeichnen, aber es war einfach nur schweinelaut dort! Immer! Egal wo!

Die Nächte waren ebenfalls der Horror. Max war erst zu überdreht zum schlafen und als er dann schlief, müssten wir uns zwangsweise ebenfalls mucksmäuschenstill ins Dunkle legen, weil er sonst wieder aufgewacht wäre. Glaubt mir, um 20:00h ohne jegliche Beschäftigung rumzuliegen, ermöglicht einem eine Menge Mordpläne zu schmieden. Ich glaub ich wäre ein ziemlich cooler Serienmörder. Nennen würde ich mich "die Supernanny" und meine Opfer wären:
- Eltern, die ihre Kinder blindlings durch Hotel rennen lassen, die würde ich so lange auf ein Laufband schnallen, bis sie einen Herzinfarkt hätten
- Eltern die ihre Kinder nachts schreiend durchs Hotel rennen lassen, denen würde ich so lange den Schlaf entziehen bis sie vor Müdigkeit sterben würden
- Eltern , die ihre Kinder alles, aber auch wirklich alles am Frühstücksbüffet antatschen lassen müssten bei mir alles essen was ihre Wunderbalgen angetatscht hätten, sie würden schon bei der Hälfte platzen
- Eltern, die andere Eltern hartnäckig zur Walddorfschule bekehren wollen, die müssten bei mir so lange ihren Namen tanzen bis sie umfallen
Ja so mancher Therapeut hätte sein Freude an mir. Leider hat keiner mehr einen Termin frei, weil zuviele der Supereltern ihre antiautoritäre Erziehung noch mit ein wenig Ritalin würzen möchten.

Kurzum, wir verbrachten das Wochenende viel mit Trachtenoutlets und Spaziergängen. Sensiblere Gemüter hätten sicher Schäden davongetragen und wenn die Ehe nicht wirklich unter Stress erprobt ist, sollte man nach einem Wochenende dort schonmal beim Scheidungsanwalt seine Konditionen checken lassen.

Noch ein Geschenktipp: Die Verkaufen auch Übernachtungsgutscheine. Wenn ihr also jemanden beschenken müsst, den ihr nicht leiden könnt, ist dies sicher eine lohnende Investition.



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